Süddeutsche Zeitung: Im Eise gekühlt

Das größte Rechenzentrum der Welt entsteht in einer Gemeinde im Polarkreis. Ein Trend, denn der Norden ist reich an erneuerbaren Energien – und natürlicher Kälte.

Von Katharina Kutsche

Ballangen ist ein Ort der Rekorde. Zum einen entsteht in der norwegischen Gemeinde das angeblich größte Rechenzentrum der Welt. 600 000 Quadratmeter groß, ausgebreitet auf vier Stockwerken, baut das Unternehmen Kolos eine grüne Serveranlage, die allein durch Wasser- und Windkraft betrieben werden soll. Warum Ballangen? Server brauchen eine gute Kühlung und die liefert der Ort im Polarkreis mit seiner Jahresdurchschnittstemperatur von frischen 3,7 Grad Celsius auf natürliche Weise. Kolos möchte langfristig eine Leistungsaufnahme von mehr als 1000 Megawatt erzielen. Außerdem schaffe das Unternehmen Arbeitsplätze für die Gemeinden in der Umgebung und Absolventen der Universität im nahe gelegenen Narvik. Blöd nur, dass Ballangen zum anderen einen Rekord beim Krankenstand erzielt. Nirgendwo sonst in Norwegen melden sich so viele Arbeitnehmer krank, nirgendwo sonst im Land ist die Rate der Erwerbsunfähigkeit so hoch. Das liegt wohl an Ballangens Vergangenheit: Hier wurden bis 2003 jahrhundertelang Kupfer abgebaut – ein harter und ungesunder Job. Mit dem Bau des Rechenzentrums soll sich die Situation des Ortes verbessern. Kolos verweist auf das positive Beispiel von Facebook: Das Netzwerk betreibt ebenfalls ein nordisches Datencenter im schwedischen Luleå.